Südhesse kommt zum NVV - Ex-Staatssekretär Güttler ab Mai Geschäftsführer in beiden hessischen Verkehrsverbünden
HNA, 28.04.2011
Klaus- Peter Güttler, seit 2009 einer der beiden Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), wird diese Funktion ab Mai auch im Nordhessischen Verkehrsverbund NVV übernehmen. Der Vorsitzende des NVV-Aufsichtsrates, der Kasseler Landrat Uwe Schmidt (SPD), bestätigte gestern entsprechende Informationen unserer Zeitung über einen Zwei-Jahres- Vertrag. Der endgültige Beschluss des Aufsichtsrates über die künftige Geschäftsverteilung stehe allerdings noch aus, so Schmidts Sprecher Harald Kühlborn.
Mit dem 61-jährigen Güttler bekommt der gleichaltrige NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel einen ausgewiesenen Verkehrsfachmann an die Seite. Der gebürtige Kieler war lange Jahre Abteilungsleiter im Wiesbadener Verkehrsministerium und maßgeblich verantwortlich für das Genehmigungsverfahren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens. Trotz SPD-Parteibuch wurde Güttler 2007 unter Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) Staatssekretär. 2009 wechselte Güttler zum RMV, wo er mit Knut Ringat eine Doppelspitze bildet. Güttler wie Schmidt betonten gestern gegenüber unserer Zeitung, dass die Personalie mitnichten Vorbote einer Fusion der Verbünde sei. Er werde seine Arbeit "ganz klar auf der Grundlage der bisherigen Organisation leisten", sagte Güttler. Für nichts anderes habe er einen Auftrag, "und für nichts anders stehe ich auch persönlich zur Verfügung." Natürlich sei sein Ziel, "Synergieeffekte zu heben". Güttler kennt den NVV im Übrigen aus früherer Tätigkeit als Aufsichtsratsvertreter des Landes.
Einen Tag in der Woche will Güttler künftig in Kassel arbeiten, die anderen in Hofheim beim RMV. Der Vater zweier Kinder ist in Idstein/Taunus zu Hause, wo er soeben von der SPD für den Magistrat nominiert wurde. Seine Aufgabe in Kassel wird es unter anderem sein, große Ausschreibungsverfahren zu begleiten, deren recht liche Grundlagen er einst selbst mitentwickelt hat. Außerdem, so Kühlborn, müsse der NVV demnächst an einer neuen Zielkonzeption nach Abschluss des Regiotram-Ausbaus arbeiten. Einer Fusion mit dem RMV würden die Nordhessen im Aufsichtsrat sicher nicht zustimmen. Auch im Ministerium wird auf die "exzellenten Kenntnisse" Güttlers verwiesen. Man sei froh, wenn diese auch dem NVV zugutekämen.
Von Petra Wettlaufer-Pohl
K O M M E N T A R
Irritierende Personalie
Petra Wettlaufer- Pohl über den NVV
Güttler, übernehmen Sie. Auf diesen Gedanken kommt man unweigerlich angesichts der Entscheidung, den südhessischen RMV-Geschäftsführer nun auch in Nordhessen zu engagieren. Güttler ist unbestritten ein hervorragender Fachmann. Und natürlich werden es die nordhessischen Landräte und der Kasseler Oberbürgermeister im Aufsichtsrat niemals zulassen, dass der NVV zwecks Rationalisierung unter das Dach des RMV schlüpft. Ein abwegiger Gedanke, heißt es allenthalben. Und doch wird man hellhörig angesichts der Personalie Güttler. Geldgeber ist für beide Verbünde das Land. Und wer am Geldhahn sitzt, kann einiges bewirken. Die Vorstellung, dass eines Tages in Südhessen über Verkehr in Nordhessen entschieden wird, ist durchaus furchterregend. Denn gut ausgebauten Nahverkehr braucht man nicht nur im Ballungsraum, sondern gerade auch auf dem Land.
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